Danny Weber
12:13 08-12-2025
© A. Krivonosov
Test der Xiaomi Watch S4: große AMOLED-Anzeige, nützliche Krone, GPS ohne Telefon, Bluetooth-Telefonie und starke Akkulaufzeit. Fazit, Limits und Alltag.
Die Xiaomi Watch S4 ist kein Gerät für den großen Wow-Moment, sondern eine Uhr für jeden Tag, die man kaum bemerkt. Sie wirkt nicht wie Spielzeug oder ein Fitnessband im Uhrenkostüm: rundes Gehäuse, schmale Lünette, ausgewogene Proportionen und eine physische Krone, die im Alltag wirklich praktisch ist. Optisch ist sie näher an klassischen Zeitmessern; nur ersetzen hier ein helles AMOLED und typische Smartphone-Gewohnheiten die Zeiger – Benachrichtigungen, Trainings, Schlaf und schnelle Aktionen. In der Redaktion von Pepelac News kam ein schwarzes Exemplar mit einem weichen, angenehm zu tragenden Silikonarmband an.
Beim Öffnen der Schachtel liegen runde, substanzielle Uhren mit Metallgehäuse und einem schmalen Silikonband bereit. Am Handgelenk sehen sie stimmig aus; selbst ohne das Band fest zu ziehen rutscht die Uhr nicht, sondern sitzt, als wäre sie angegossen. Das Wechseln der Bänder ist unkompliziert – auf der Rückseite gibt es Schnellwechselstege, die sich ohne Werkzeug bedienen lassen.
Das Erste, was an der Watch S4 ins Auge fällt, ist das Display. Für eine Uhr ist es groß: 1,43 Zoll, AMOLED, mit hoher Pixeldichte. Zifferblätter wirken hochwertiger, Texte lassen sich komfortabel lesen, und die Bedienoberfläche kommt ohne übergroße Tasten aus. Entscheidend ist jedoch die Helligkeit. Das ist kein Punkt fürs Datenblatt: Draußen bei Tageslicht muss ein Display ablesbar bleiben, statt zum schwarzen Spiegel zu werden – hier meistert die Watch S4 diese Aufgabe souverän.
Es gibt allerdings eine praktische Feinheit: Ab Werk ist die Uhr eher konservativ eingestellt. Wer möchte, dass der Bildschirm häufiger per Handgelenksdrehung aufwacht oder ein Always-on-Zifferblatt aktiv ist, muss in die Einstellungen eintauchen und nachjustieren; sonst wirkt die Uhr anfangs etwas zu geizig und dimmt die Beleuchtung schnell herunter.
Ein Touchscreen ist großartig, doch sobald man läuft, eine Tasche trägt, in der Bahn steht oder im Regen unterwegs ist, zeigt sich der Wert der Krone. Bei der Watch S4 ist sie wirklich nützlich: Durch Listen und Menüs zu scrollen geht damit schneller und entspannter als per Wischgesten. So fühlt sich das Ganze mehr nach Uhr an und weniger nach Mini-Smartphone. Das haptische Feedback der Krone bleibt jedoch hinter der Erwartung zurück – im Test wirkte die Vibration leicht verzögert oder im Takt nicht ganz passend.
Auf der Gesundheitsseite gibt es das übliche, aber sinnvolle Paket: Herzfrequenz, SpO₂, Schlaf und tägliche Aktivität. Dazu kommen zahlreiche Sportmodi, sodass man nicht auf „Gehen“ und „Laufen“ beschränkt ist. Die Watch S4 richtet sich klar an alle, die ihren Zustand und ihre Gewohnheiten verstehen wollen – nicht an Nutzerinnen und Nutzer, die nach erweiterten Medizin-Features suchen. Wer Priorität auf EKG oder eine „Klinik am Handgelenk“ legt, ist hier nicht an der richtigen Adresse.
Eine automatische Trainingserkennung gibt es ebenfalls, sie verhält sich aber eigenwillig – zuverlässig erkannt wurde durchweg nur das Gehen. Einmal schlug die Uhr im Fitnessstudio vor, ein Training zu starten und die Art zu wählen, allerdings etwa 20 Minuten, nachdem die Einheit bereits begonnen hatte. Wichtig: Diese Funktion zehrt am Akku.
Für Spaziergänge, Läufe und Radtouren zählt eigenständige Navigation – und die liefert die Watch S4: Routen lassen sich auch ohne Telefon aufzeichnen. Das ist praktisch, wenn man das Handy nicht in der Tasche oder am Lenker haben möchte, nur um den Track mitzuschneiden. Je besser der Satellitenempfang, desto weniger Zickzack in der Spur und desto weniger seltsame Sprünge in den Statistiken.
Dank Mikrofonen und Lautsprecher lassen sich über Bluetooth Anrufe entgegennehmen, solange die Uhr mit dem Smartphone verbunden ist. Klingt unspektakulär, bis man es nutzt: kurz melden, dass man draußen ist, um Rückruf bitten oder ein paar Worte wechseln, wenn die Hände beschäftigt sind. Wichtig: Es handelt sich um telefongekoppelte Gespräche – kein vollwertiger Mobilfunkersatz wie bei Uhren mit eSIM.
Xiaomi wird oft für die Akkulaufzeit gelobt, und die Watch S4 führt das fort. Man kann sie tagelang tragen, ohne am Kabel zu hängen. Natürlich schmilzt jeder Akkuvorteil dahin, wenn Always-on aktiviert ist, GPS häufig läuft und die Helligkeit hoch eingestellt ist. Das ist ein ehrlicher Kompromiss: Soll alles jederzeit glänzen, lädt man öfter; soll es „anlegen und vergessen“ sein, wartet ein sehr komfortabler Puffer.
Trotzdem schafft die Uhr mit kontinuierlichem Gesundheitstracking – Herzfrequenz-, Stress- und Schlafüberwachung – immer noch vier Tage pro Ladung. Bei den letzten 10 Prozent lässt sich ein Energiesparmodus zuschalten, um die Laufzeit weiter zu strecken.
Das wichtigste vorweg: Die Watch S4 läuft nicht mit Wear OS. Es ist also nicht „alles aus dem Store installieren und die Uhr zum Mini-Phone machen“. Das Ökosystem ist einfacher, mit weniger Erweiterungen, die Logik näher an „Uhr + Sport + Benachrichtigungen“. Für viele ist das ein Plus – weniger Ballast, bessere Ausdauer. Wer jedoch eine üppige App-Welt sucht, stößt hier an Grenzen.
Zweitens: regionale Eigenheiten. So hängt die Verfügbarkeit von NFC bei ähnlichen Modellen oft vom Markt ab; vor dem Kauf lohnt der Blick, was die eigene Version exakt unterstützt. Zwei Schachteln mit demselben Namen können sich in Details unterscheiden.
Drittens: die Größe. Die Watch S4 fühlt sich wie eine große Uhr an. Manche schätzen den „erwachsenen“ Auftritt und das großzügige Display, andere wünschen sich eher etwas Kompakteres.
Viertens – der erste Start. Beim Einschalten verlangt die Uhr eine Registrierung im Xiaomi-Ökosystem, gefolgt von einem Update, das über eine Stunde in Anspruch nimmt.
Fünftens: Training. Wer regelmäßig trainiert und sehr hohen Wert auf Tracking legt, ist mit einer anderen Smartwatch wahrscheinlich besser bedient.
Die Xiaomi Watch S4 ist eine klug gewählte Option für alle, die eine schöne runde Uhr mit hervorragendem Display, starker Ausdauer, klaren Gesundheits- und Fitnesssensoren sowie Alltagsbequemlichkeiten wie Telefonie suchen. Das ist kein Spielplatz für Hunderte Apps, sondern ein ruhiger, praktischer Begleiter für jeden Tag. Wenn die Maxime lautet „Uhren sollen Uhren bleiben – nur smart“, fügt sich die Watch S4 nahtlos ein. Wer hingegen eine ausgewachsene Plattform erwartet, die sich wie ein Mini-Smartphone verhält, wird in anderen Ökosystemen glücklicher.