Danny Weber
08:28 16-12-2025
© SPhotonix
SPhotonix bringt 5D-Glasspeicher aus dem Labor: 360 TB je Scheibe, haltbar bis 13,8 Mrd. Jahre. Pilotprojekte in 2 Jahren für Cold Storage in Rechenzentren.
Das britische Startup SPhotonix meldet Fortschritte: Seine auf sogenannten 5D-Memory-Kristallen basierende Speichertechnik hat die Laborphase hinter sich gelassen und nähert sich der Praxis. In den kommenden zwei Jahren will das Unternehmen Pilotprojekte starten, um gläserne Cold-Storage-Systeme in Rechenzentren zu bringen.
Kernstück ist eine Quarzglasscheibe mit rund fünf Zoll (127 mm) Durchmesser. Ein Femtosekundenlaser schreibt Informationen als Nanostrukturen ins Glas und codiert sie gleichzeitig über fünf Parameter: die drei räumlichen Koordinaten sowie Ausrichtung und Intensität jeder Struktur. Ausgelesen wird optisch mit polarisiertem Licht. Nach Angaben von SPhotonix fasst eine einzelne Scheibe bis zu 360 Terabyte, und das Medium könnte Daten bis zu 13,8 Milliarden Jahre bewahren – etwa so alt wie das Universum. Sollten sich diese Werte außerhalb des Labors bestätigen, müsste die Branche ihre Vorstellung von Langzeitarchivierung neu justieren.
Die Speichermedien benötigen keine Energie, um Daten zu halten, und sind konstruktiv isoliert (air-gapped). Damit eignen sie sich für Archive und Backups, bei denen ein Zugriff mit einigen Sekunden Verzögerung akzeptabel ist. Aktuelle Prototypen sind noch langsam: Schreiben erfolgt mit etwa 4 Megabyte pro Sekunde, Lesen mit bis zu 30 Megabyte pro Sekunde. Der Fahrplan sieht vor, diese Werte in drei bis vier Jahren auf bis zu 500 Megabyte pro Sekunde zu steigern – heute kein Rekord, doch bei Deep-Cold-Storage zählen oft Haltbarkeit und Packdichte mehr als Tempo.
In der Frühphase veranschlagt SPhotonix rund 30.000 US‑Dollar für ein Schreibgerät und etwa 6.000 US‑Dollar für ein Lesegerät. Der erste mobile Reader für den Einsatz außerhalb von Laboren wird in ungefähr eineinhalb Jahren erwartet. Das Unternehmen hat etwa 4,5 Millionen US‑Dollar eingeworben und arbeitet am nächsten Reifegrad der Technologie, der Erprobungen unter Realbedingungen umfasst – ein entscheidender Prüfstein für jede Speicherplattform, die Haltbarkeit über Jahrhunderte hinweg verspricht.
Das Interesse an alternativen, nichtmagnetischen Archivmedien wächst. Microsoft experimentiert im Rahmen von Project Silica mit Glasspeichern, andere Firmen treiben keramische Medien für robotergestützte Bibliotheken voran. SPhotonix setzt strategisch anders an: Statt einen eigenen Speicherdienst aufzubauen, will das Startup die Technologie lizenzieren und in bestehende Rechenzentren integrieren – ein pragmatischer Ansatz, der die Hürden für die Einführung senken könnte, sofern die anvisierten Leistungswerte erreicht werden.