Tripolis, Libyen: 16 Jahre verspätete Nokia-Handy-Lieferung

Danny Weber

16:59 14-01-2026

© A. Krivonosov

Eine 2010 bestellte Nokia-Lieferung erreicht in Tripolis erst nach 16 Jahren ihr Ziel: Retro-Handys zeigen, wie Krieg Logistik lähmt und Sammlerpreise locken.

Eine fast absurde, zugleich aufschlussreiche Episode aus Libyen zeigt, wie lang die Instabilität nachwirkt. In Tripolis erhielt ein örtlicher Mobilfunkhändler unerwartet eine Lieferung von Nokia-Handys, die bereits 2010 bestellt worden war. Nachdem 2011 der Bürgerkrieg ausbrach – Infrastruktur zerfiel, Logistik erstarrte, der Zoll kam zum Erliegen – stand die Sendung 16 Jahre in einem Lager, bevor sie ihren Käufer endlich erreichte.

In den Kartons steckten klassische Tasten-Nokias, einst als Spitze der Mobiltechnik gefeiert. Darunter waren musikfokussierte Modelle und Geräte der Reihe Nokia Communicator, die seinerzeit Status markierten und Zugehörigkeit zur Business-Elite signalisierten. Heute sind sie hoffnungslos veraltet; der Ladenbesitzer packte sie lachend aus und meinte, er halte im Grunde Museumsstücke in der Hand.

Das Absurde daran: Absender und Empfänger sitzen in derselben Stadt, nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Dennoch brauchte die Fracht 16 Jahre für diese kurze Strecke. Viele führen die außergewöhnliche Verzögerung auf den nahezu vollständigen Zusammenbruch von Staat und Transportwesen während der Kämpfe zurück – eine Erinnerung daran, wie rasch Alltagsmechanismen ins Stocken geraten, wenn Institutionen wanken. Kaum etwas macht die Verwundbarkeit des Alltäglichen so anschaulich.

Ein Video vom Auspacken verbreitete sich schnell in den sozialen Netzwerken und löste lebhafte Reaktionen aus. Manche betonten, mit spürbarer Bitterkeit, wie tief Krieg das normale Leben und den Handel aus der Bahn werfen kann. Andere sahen unverhofftes Geschäftspotenzial: Da das Interesse an Retro-Elektronik wächst, könnten solche Telefone auf dem internationalen Sammlermarkt gefragt sein. Nutzer witzelten zudem, das Fehlen von Tracking-Modulen mache diese Geräte heute besonders attraktiv, während einige argumentierten, ein Verkauf ins Ausland könnte inzwischen mehr einbringen als der geplante Absatz im Jahr 2010.

Die Szene wirkt wie eine aufgebrochene Zeitkapsel – ein Beleg dafür, dass nach Jahren der Turbulenzen selbst eine kurze Zustellung zu einer 16-jährigen Wartezeit werden kann.