Danny Weber
22:17 19-02-2026
© NeuroXess
Das chinesische Startup NeuroXess treibt klinische Tests für BCI voran, mit schnellen Fortschritten dank staatlicher Förderung. Erfahren Sie mehr über die Technologie und den globalen Wettbewerb.
Das chinesische Unternehmen NeuroXess treibt die klinischen Tests für Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) voran und will so den Rückstand zum US-Rivalen Neuralink aufholen, vielleicht sogar die Führung übernehmen. Wie die Financial Times berichtet, haben staatliche Unterstützung und großes Investoreninteresse dem 2021 gegründeten Startup aus Shanghai den schnellen Sprung von der Laborarbeit zu ersten erfolgreichen Operationen am Menschen ermöglicht.
Die BCI-Entwicklung in China läuft im Rahmen eines großangelegten Regierungsprogramms, das vor weniger als einem Jahr gestartet wurde. Das Programm zeichnet sich durch beschleunigte Genehmigungsverfahren, vereinfachte Vorschriften und zentralisierte Finanzierung aus. Bereits jetzt sind im Land etwa zehn klinische Studien mit invasiven Verfahren aktiv. Bis 2030 wollen die Behörden mehrere Weltmarktführer in der Neurointerface-Technologie etablieren, wobei NeuroXess als potenzieller Kandidat gilt.
Das Unternehmen hat von Versuchsergebnissen berichtet, bei denen ein gelähmter Patient nur fünf Tage nach der Operation mit einem implantierten Gerät einen Computer-Cursor steuern konnte. Die Technologie von NeuroXess ist invasiv, unterscheidet sich aber vom Ansatz Neuralinks. Das chinesische Implantat besteht aus einem Polymer-Metall-Geflecht, das auf der Gehirnoberfläche platziert wird, ohne in das Gewebe einzudringen. Neuralink hingegen setzt auf ultradünne Elektroden, die direkt in das Hirngewebe eingeführt werden – eine Methode, die Debatten über mögliche Narbenbildung und Signalverschlechterung über die Zeit ausgelöst hat.
Aktuelle Neuralink-Tests erreichen Signalübertragungsgeschwindigkeiten von etwa 10 Bit pro Sekunde, während NeuroXess rund 5,2 Bit pro Sekunde demonstriert. Trotz dieser Leistungslücke weisen Experten darauf hin, dass beide Seiten ihre Forschungsanstrengungen verstärken. Das gesammelte Wissen könnte die Entwicklung nicht-invasiver Lösungen beschleunigen, was künftig den Bedarf an chirurgischen Eingriffen verringern könnte.
Analysten deuten an, dass sich in China ein sich selbst verstärkender Kreislauf aus schnellem Fortschritt entwickeln könnte: Mehr Versuche führen zu größeren Datenmengen, niedrigeren Kosten und mehr Patiententeilnahme, was wiederum die technologische Verfeinerung beschleunigt. Vor dem Hintergrund des globalen BCI-Wettlaufs könnten die kommenden Jahre entscheidend dafür sein, wer die Führung zwischen den USA und China übernimmt.