Speichermarkt im KI-Boom: Rekordgewinne für Hersteller, höhere Preise für Verbraucher

Danny Weber

Der KI-Boom treibt die Nachfrage nach HBM-Speicher. Micron, SK Hynix und Samsung erzielen Rekordumsätze. Die Verlagerung könnte zu teureren Computern führen.

Der Speichermarkt, einst als einer der langweiligsten und zyklischsten Bereiche der Halbleiterindustrie verschrien, ist plötzlich zum Zentrum eines neuen Technologiewettlaufs geworden. Die Nachfrage nach künstlicher Intelligenz hat das Kräfteverhältnis dramatisch verändert: Micron Technology und SK Hynix haben beide die Marke von einer Billion US-Dollar Marktkapitalisierung überschritten und sich damit Samsung angeschlossen, das dieses Niveau bereits einige Wochen zuvor erreicht hatte.

Dieser Erfolg ist historisch für die Branche – zum ersten Mal gehören die drei größten Speicherhersteller alle dem Billionen-Dollar-Club an. Besonders auffällig war der Anstieg von Micron: Die Aktien stiegen an der Wall Street an einem einzigen Handelstag um 19 Prozent, die beste Tagesperformance seit 2011. Auslöser war eine überarbeitete Einschätzung der UBS, die ihr Kursziel für das Unternehmen deutlich anhob.

Der wichtigste Wachstumstreiber ist HBM-Speicher, ein Hochbandbreitenspeicher, der für NVIDIA-Beschleuniger und andere Systeme unverzichtbar ist, die große KI-Modelle trainieren und ausführen. Ohne ihn könnten moderne Supercomputer riesige Datenmengen schlichtweg nicht effizient verarbeiten. Vor diesem Hintergrund erreichte Microns Umsatz im zweiten Quartal 2026 23,9 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 196 Prozent im Jahresvergleich – und die Prognose für das nächste Quartal wurde auf 33 Milliarden US-Dollar angehoben.

Für normale Verbraucher gibt es jedoch eine Kehrseite. Die Hersteller verlagern ihre Produktionskapazitäten zunehmend auf HBM und andere KI-Infrastrukturkomponenten, sodass weniger Ressourcen für traditionelle DRAM- und NAND-Chips übrig bleiben. Diese Chips werden in Laptops, Desktop-Computern, Smartphones und anderen Unterhaltungselektronikgeräten verbaut; das geringere Angebot setzt die Preise bereits unter Druck.

Michael Dell, CEO von Dell, hat gewarnt, dass die Nachfrage nach Speicher mindestens bis 2028 das Angebot übersteigen könnte. Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, müssen sich Verbraucher auf teurere Computer, Smartphones und Speichergeräte einstellen. KI hat Speicherhersteller zu den größten Gewinnern des neuen Technologiezyklus gemacht – doch der Massenkonsument wird wohl einen Teil der Kosten tragen müssen.

© A. Krivonosov