Danny Weber
Google hat eine passive Herzfrequenzmessung entwickelt, die über die Smartphone-Frontkamera den Puls misst. Erfahren Sie mehr über diese Technologie.
Google hat eine Forschungstechnologie namens Passive Heart Rate Monitoring vorgestellt, mit der sich die Herzfrequenz über die Frontkamera eines normalen Smartphones ermitteln lässt. Ziel ist es, Funktionen von Fitness-Trackern und Smartwatches auf Geräte zu bringen, die fast jeder bereits besitzt.
Das System analysiert feine Veränderungen der Hautfarbe, die durch den Blutfluss in den Gefäßen hervorgerufen werden. Diese Schwankungen sind für das bloße Auge unsichtbar, aber Kamera und maschinelles Lernen können sie erkennen. In Googles Version zeichnet das Smartphone ein acht Sekunden langes Video auf, sobald der Nutzer es per Gesichtserkennung entsperrt hat. Ein lokales KI-Modell bestimmt anschließend die Herzfrequenz.
Solche Methoden sind nicht neu, erforderten aber bislang aktives Zutun: Der Nutzer musste einen Finger auf die Rückkamera, den Blitz oder den Fingerabdrucksensor legen. Googles Ansatz unterscheidet sich, weil er passiv im Hintergrund während der normalen Nutzung arbeitet und nach und nach ein Ruheherzfrequenzprofil erstellt – ohne separates Wearable.
Zum Trainieren und Validieren des Systems nutzte Google mehr als 350.000 Videos von knapp 700 Teilnehmern. Das Unternehmen betont, dass die Studie Menschen mit verschiedenen Hauttönen einschloss, da Kameras auf dunklerer Haut den Blutfluss schlechter erfassen. Laut Google lagen die Messwerte in allen getesteten Gruppen innerhalb der Industriestandards; die Abweichung zu den Werten eines Fitbit Charge 6 betrug weniger als fünf Schläge pro Minute.
Allerdings ist die Technologie noch nicht ausgereift. Bei dunkleren Hauttönen fiel es dem System schwerer, zuverlässige Werte zu liefern, obwohl die Daten an sich korrekt waren. Auch beim Sprechen, bei Kopfbewegungen oder anderen alltäglichen Aktivitäten kann es zu Ungenauigkeiten kommen. Datenschutz ist ein weiterer wichtiger Punkt: Eine Umsetzung für Endnutzer müsste strikte Schutzvorkehrungen vorsehen, Google setzt aber auf die Verarbeitung direkt auf dem Gerät.
Vorläufig handelt es sich bei PHRM noch um ein Forschungsprojekt. Das Potenzial ist aber offensichtlich: Sollten Smartphones zuverlässig grundlegende Herz-Kreislauf-Daten ohne zusätzliche Hardware erfassen können, könnte die Gesundheitsüberwachung für Millionen von Menschen zugänglicher werden, die keine Smartwatches oder Fitness-Tracker kaufen.
© B. Naumkin