Danny Weber
Microsoft setzt wieder auf Xbox-Exklusivtitel, doch die Strategie ist unklar: Gears of War E-Day bleibt exklusiv, während andere Spiele wie Fable auf PS5 erscheinen.
Microsoft redet wieder über Exklusivtitel für Xbox, aber die neue Strategie des Konzerns ist alles andere als klar. Nach zwei Jahren der Unsicherheit darüber, welche Spiele auf konkurrierenden Plattformen erscheinen, hat Microsoft beschlossen, Gears of War: E-Day und Clockwork Revolution als Xbox-Konsolenexklusivtitel zu behalten. Andere große Xbox-Projekte sind weiterhin für PlayStation 5 und Nintendo Switch 2 geplant. Dieser Schritt sollte eigentlich Klarheit schaffen, doch in der Praxis wirft er nur noch mehr Fragen auf. Microsoft versucht, die Treue der Xbox-Fans zu sichern, ohne auf die Einnahmen aus Veröffentlichungen auf anderen Plattformen zu verzichten.
Bereits 2024 machte Microsoft erste Schritte weg von der strikten Exklusivität: Vier Xbox-Exklusivtitel sollten auch für PS5 und Nintendo Switch erscheinen. Die Namen wurden zunächst nicht genannt, später stellte sich heraus, dass es sich um Hi-Fi Rush, Pentiment, Sea of Thieves und Grounded handelte. Die Sache wurde kompliziert, weil Microsoft zeitgleich Gerüchte dementierte, dass Starfield und Indiana Jones zur PS5 kommen würden. Manche Fans glaubten, das Multiplattform-Experiment ende nach vier Spielen, andere erwarteten einen größeren Umbruch. Letztlich kamen Starfield und Indiana Jones doch auf die PS5 – und bestätigten damit den Eindruck mangelnder Konsequenz.
Auf der Xbox Games Showcase machte Microsoft deutlich, wieder auf Exklusivtitel setzen zu wollen. Gears of War: E-Day und Clockwork Revolution wurden als Exklusivtitel für Xbox-Konsolen angekündigt. Das Unternehmen betont, dass es sich nicht um zeitlich befristete Exklusivität handelt – theoretisch sollten diese Projekte also nicht für PS5 oder Nintendo Switch 2 erscheinen. Laut Quellen von The Verge innerhalb von Xbox wurde die Entscheidung, Gears of War: E-Day nicht auf der PS5 zu veröffentlichen, erst vor Kurzem getroffen, obwohl ein Großteil der Portierungsarbeit für Sonys Konsole bereits erledigt war. Microsoft begründet die neue Linie damit, dass Spieler Anreize brauchen, um eine Xbox zu kaufen und im Ökosystem zu bleiben. Gleichzeitig will das Unternehmen bereits getroffene Zusagen einhalten: Spiele, die zuvor für mehrere Plattformen angekündigt wurden, behalten diesen Status.
Diese Unterscheidung erklärt, warum Fable und Gears of War: E-Day unterschiedlich behandelt werden. Fable war bereits für die PS5 angekündigt, also hält Microsoft daran fest. Bei E-Day waren die Plattformen nicht öffentlich genannt worden, sodass das Unternehmen es als Xbox-Exklusivtitel behalten konnte. Doch diese Logik beantwortet nicht alle Fragen. Das neue Senua-Spiel im Hellblade-Universum erscheint für die PS5. Auch Spyro: A Real Beyond kommt für PS5 und Switch 2. Man könnte argumentieren, dass diese Serien bereits ein Publikum auf PlayStation haben, doch die Situation wirkt dennoch widersprüchlich: Microsoft veröffentlichte ein Remaster des ursprünglichen Gears of War auf PlayStation, und nun wird der nächste Teil dieser Reihe, E-Day, nur für Xbox und PC behalten.
Die Xbox-Führung erklärt, dass sie von Fall zu Fall entscheidet. Das Unternehmen will Plattformen und Veröffentlichungstermine zeitgleich bekannt geben, damit die Spieler genau wissen, wo ein Projekt erscheint. Doch diese Formel macht die Strategie nicht klarer. State of Decay 3 kommt ebenfalls auf die PS5, obwohl frühere Teile nur auf Xbox und PC erschienen. Vielleicht liegt das am kooperativen Spielprinzip und den Live-Service-Elementen, aber eine klare Regel ist nicht erkennbar.
Besonders deutlich wird die neue Strategie bei den wichtigsten Xbox-Marken. Halo: Campaign Evolved, Forza Horizon 6 und Fable erscheinen alle für die PS5, Gears of War: E-Day dagegen nicht. Das ergibt einen seltsamen Kontrast: Einige ikonische Xbox-Serien werden plattformübergreifend, andere dienen als Argumente für den Kauf einer Microsoft-Konsole. Ob Gears of War: E-Day die Xbox-Verkäufe merklich ankurbeln kann, ist fraglich. Der Schritt selbst wirkt wie eine Reaktion auf Fans, die echte Exklusivtitel zurückforderten.
Die Gründe für diese Unsicherheit liegen tiefer als einzelne Veröffentlichungen. Microsoft ist sowohl ein großer Spielepublisher als auch der Besitzer der Xbox-Plattform. Als Publisher ist es sinnvoll, Spiele auf möglichst vielen Geräten zu veröffentlichen. Für die Plattform hingegen braucht es Exklusivtitel, um die Nutzer zu binden und Anreize für den Konsolenkauf zu schaffen. Verschärft wird die Situation durch den finanziellen Druck. The Verge berichtet, dass das Microsoft-Management 2023 eine Marge von 30 Prozent für Xbox anstrebte, woraufhin das Unternehmen aggressiver Einnahmen auf konkurrierenden Plattformen suchte. Nun hat die neue Xbox-Chefin Aisha Sharma mehr Spielraum für Veränderungen. Sie erklärt, es gehe nicht darum, die Margen der Unternehmenssoftware zu erreichen, sondern darum, ein führendes Gaming- und Unterhaltungsunternehmen zu werden. Gleichzeitig räumt sie ein, dass Microsoft jedes Projekt sorgfältig prüfen und ähnliche Fälle in der Branche betrachten muss.
Microsoft steckt in einer Zwickmühle: Jede Entscheidung ist ein Kompromiss. Zu viele Exklusivtitel bedeuten ein kleineres Publikum und geringere Einnahmen. Zu viele plattformübergreifende Releases mindern die Anreize für den Xbox-Kauf. Ein einfaches, klares Schema ist daher nicht zu erwarten. Microsoft wird weiterhin verschiedene Ansätze testen und öffentlich von der Rückkehr der Xbox sprechen, während die Spieler rätseln, welche Projekte im eigenen Ökosystem bleiben und welche irgendwann auf PlayStation oder Nintendo landen.
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