Danny Weber
Moderne iPhone- und iPad-Modelle laden deutlich schneller, als alte 5W- oder 20W-Netzteile zulassen. Entscheidend sind Wattzahl, USB Power Delivery und das richtige Kabel.
Wenn es um die Akkulaufzeit von iPhone oder iPad geht, denken die meisten zuerst an den Verbrauch. Welche Apps den Akku leeren, wie hell das Display ist und wie viele Programme im Hintergrund laufen — all das zählt. Leicht übersehen wird aber ein zweiter Punkt: die Ladegeschwindigkeit.
Gerade im Alltag kann sie fast so wichtig sein wie die Kapazität selbst. Bleiben vor dem Weg zur Arbeit nur 15–20 Minuten an der Steckdose, bringt ein altes Netzteil oft nur ein paar Prozent. Mit einem schnellen Ladegerät gewinnt dasselbe iPhone deutlich mehr Energie — genug für den Weg ins Büro, zur Uni oder zum Flughafen.
Das Problem: Viele Besitzer von iPhone und iPad wissen nicht, welche maximale Ladeleistung ihr Gerät unterstützt. Apple platziert diese Angabe nicht immer prominent, und bei neuen iPhones liegt schon lange kein Netzteil mehr bei. Deshalb werden aktuelle Geräte oft weiter mit alten 5W-, 12W- oder 18W-Adaptern geladen.
Für die Ladegeschwindigkeit zählen zwei Grundwerte: Akkukapazität und Ladeleistung. Die Kapazität wird meist in Milliamperestunden angegeben — mAh. Vereinfacht gesagt zeigt sie, wie viel Energie der Akku bis zur Entladung liefern kann.
In der Praxis verbraucht ein Smartphone Energie nicht gleichmäßig. Kamera, Spiele, Navigation, mobile Daten, helles Display und Videotelefonie belasten den Akku unterschiedlich. Trotzdem vermittelt die Kapazität ein gutes Gefühl für die Akkugröße: große Smartphones liegen oft um 5000 mAh, Tablets nähern sich 10.000 mAh.
Die Ladegeschwindigkeit wird dagegen nicht in mAh, sondern in Watt gemessen. Je höher die Leistung, desto schneller kann ein Netzteil Energie liefern — sofern das Gerät diese Leistung auch annimmt.
Ein Notebook kann problemlos mit 100–140 W laden, während ein Smartphone deutlich vorsichtiger arbeitet. Der Grund liegt in Akkugröße, Wärme und Sicherheit. Große Geräte haben mehr Platz für Zellen und Kühlung, kleine Telefone dagegen packen Akku, Chip, Display und Kameras in ein dünnes Gehäuse.
Schnelles Laden erzeugt Wärme, und Hitze lässt Akkus altern. Deshalb regeln moderne Geräte die Leistung dynamisch: zuerst schnell, später langsamer, besonders nahe 80–100 Prozent. Standards wie USB Power Delivery haben die Lage verbessert, doch Apple bleibt vorsichtiger als manche Android-Hersteller. Ein OnePlus 15 erreicht etwa bis zu 120 W über SuperVOOC.
Bei den aktuellen iPhone-Generationen gab es keinen radikalen Sprung, aber Fortschritt ist sichtbar. Modelle der iPhone-17-Reihe können laut Angaben mit bis zu 40 W laden. Das ist deutlich schneller als alte Apple-Netzteile und praktisch für kurze Zwischenladungen.
Das iPhone Air ist eine Ausnahme. Wegen seines dünnen Gehäuses ist es auf 20 W begrenzt. Ein stärkeres Netzteil schadet nicht, doch das Smartphone nimmt nicht mehr Leistung auf, als die Konstruktion erlaubt.
Wichtig ist: Ein stärkeres Netzteil zwingt ein iPhone nicht zu gefährlich schnellem Laden. Das Gerät entscheidet selbst, wie viel Energie es annimmt. Ein 65W- oder 100W-Adapter liefert einem 40W-iPhone nur das, was dieses anfordert.
Viele iPhone-Nutzer verwenden weiter Adapter älterer Geräte. Sie funktionieren zwar, bremsen aber oft massiv. Das iPhone 11 wurde noch mit 5 W geliefert, das iPhone 11 Pro mit 18 W. Für heutige Modelle ist das wenig.
An einem alten 5W-Netzteil lädt ein neues iPhone sehr langsam. Besonders auffällig ist das bei niedrigem Akkustand und wenig Zeit. Statt eines spürbaren Schubs gibt es nur ein paar Prozent und das Gefühl, das Telefon lade ewig.
Beim iPad ist die Lage noch spannender. Tablets haben größere Akkus, daher ist schnelles Laden besonders nützlich. Das Basis-iPad von 2025 unterstützt bis zu 45 W, das neue iPad Pro mit M5-Chip sogar bis zu 60 W.
Der Haken: In vielen Konfigurationen kann ein iPad zwar noch mit Netzteil kommen, doch der beiliegende Adapter schöpft nicht immer die maximale Ladeleistung aus. Ein Tablet kann also 45 W oder 60 W unterstützen, während das Netzteil im Karton dieses Potenzial nicht nutzt.
Die maximale Ladegeschwindigkeit hängt nicht nur vom Gerät ab. Nötig sind Gerät, Netzteil und Kabel in passender Kombination. Ein iPad Pro mit 60 W lädt an einem 20W-Adapter nur im Rahmen dieses Adapters. Ein schlechtes Kabel kann ebenfalls bremsen.
Beim Kauf zählt daher nicht nur ein „fast charging“-Aufdruck. Wichtig sind Maximalleistung, USB Power Delivery und die Verteilung der Leistung auf mehrere Anschlüsse. Bei Mehrport-Adaptern kann eine Gesamtleistung von 65 W auf zwei oder drei Geräte aufgeteilt werden.
Für moderne iPhone-17-Modelle außer iPhone Air ist ein Ladegerät mit mindestens 40 W sinnvoll. Für das iPhone Air reichen 20 W. Beim iPad 2025 sollte man ab 45 W schauen, beim iPad Pro M5 ab 60 W.
Wer ein Netzteil für Tablet, Smartphone und Notebook sucht, fährt oft mit 65–100 W und mehreren USB-C-Ports gut. Apple verkauft eigene Adapter, doch auch Anker, Ugreen, Satechi und andere bekannte Marken bieten passende Modelle.
Schnelles Laden kann den Akku stärker erwärmen, und Wärme beschleunigt Alterung. Für die Nacht reicht daher oft ein normales Netzteil oder optimiertes Laden. Für kurze Zwischenladungen am Tag ist ein schneller Adapter dagegen sehr praktisch.
Moderne iPhones und iPads regeln den Ladevorgang automatisch. Sie laden nicht permanent mit voller Leistung, sondern reduzieren das Tempo mit steigendem Ladestand.
Wer ein neues iPhone oder iPad kauft und weiter ein altes Netzteil nutzt, verschenkt oft viel Tempo. Unterstützt ein iPhone 40 W, lädt aber an 5 W, bleibt nur ein kleiner Teil der möglichen Geschwindigkeit. Unterstützt ein iPad Pro 60 W, hängt aber an 20 W, dauert es unnötig lange.
Die einfache Regel lautet: Die Leistung des Adapters sollte mindestens der maximalen Ladeleistung des iPhone oder iPad entsprechen. Mehr ist okay, weniger bedeutet langsamer.
© A. Krivonosov