Danny Weber
Galaxy, Pixel und iPhone wirken mit Rabatt oft attraktiv. Entscheidend ist aber, wie lange sie noch Sicherheitsupdates erhalten.
Die Situation ist bekannt: Eine Verkaufsaktion läuft, neue Technik ist teuer, und plötzlich taucht ein früheres Flaggschiff mit kräftigem Rabatt auf. Die Daten wirken noch ordentlich, die Kamera reicht aus, das Display ist gut, die Marke bekannt. Auf den ersten Blick klingt das vernünftig: ein älteres Modell kaufen und Geld sparen.
Genau hier liegt jedoch die Schwachstelle. Ein Smartphone hat nicht nur eine physische Lebensdauer, sondern auch eine Software-Lebensdauer. Hersteller liefern Android- oder iOS-Updates, Fehlerkorrekturen, Sicherheitsfixes und neue Funktionen nur für eine begrenzte Zeit. Danach wird das Gerät nicht unbrauchbar, aber Schritt für Schritt weniger sicher und weniger komfortabel.
Beim Kauf eines älteren Smartphones zählen deshalb nicht nur Prozessor, Speicher, Display und Kamera. Wichtig ist vor allem das Ende der Update-Versorgung. Ein stark reduziertes Gerät kann weniger als ein Jahr echten Support übrig haben.
Viele Nutzer betrachten Systemupdates als störende Hinweise. Das Telefon verlangt WLAN, Akku, ein paar Minuten Zeit und einen Neustart. Doch Updates bringen nicht nur neue Symbole oder kleine Funktionen.
Der wichtigste Punkt ist Sicherheit. Ein Smartphone enthält Banking-Apps, Chats, Fotos, Arbeitsmail, Dokumente, Gesundheitsdaten, Passwörter und Zwei-Faktor-Codes. Wenn ein Hersteller keine Sicherheitsupdates mehr liefert, können neue Lücken offen bleiben.
Sicherheitsforscher und Angreifer finden laufend Fehler in mobilen Betriebssystemen, Firmware, Treibern und Apps. Solange ein Gerät unterstützt wird, kann der Hersteller diese Lücken schließen. Danach steht das Smartphone neuen Bedrohungen allein gegenüber.
Dazu kommt das Altern der Apps. Erst fehlen neue Android- oder iOS-Funktionen. Später verlangen einzelne Apps eine neuere Systemversion. Irgendwann kann eine Banking-App, ein Firmen-Messenger oder ein Videodienst schlechter laufen, Funktionen verlieren oder gar nicht mehr starten.
Das Ende des Supports bedeutet nicht, dass ein Smartphone an einem bestimmten Tag ausgeht. Es kann weiter telefonieren, den Browser öffnen, Messenger starten und Fotos machen. Aber der Hersteller liefert keine regelmäßigen Systemupdates und Sicherheitsfixes mehr.
Die Marken gehen unterschiedlich vor. Samsung führt Geräte mit monatlichen, vierteljährlichen oder halbjährlichen Sicherheitsupdates auf, für manche neuen Modelle verspricht das Unternehmen bis zu sieben Jahre Support. Google nennt Update-Zeiträume für Pixel-Modelle: neue Pixel werden länger gepflegt, ältere Generationen nähern sich dem Ende. Apple arbeitet anders: Ein genaues Enddatum wird oft nicht früh genannt, dafür gibt es iOS-Kompatibilitätslisten und separate Sicherheitsmeldungen.
Die einfache Regel lautet: Nicht das Kaufjahr prüfen, sondern das Erscheinungsjahr des Modells. Ein Gerät kann noch neu verkauft werden, doch seine Software-Uhr läuft seit dem Marktstart.
Bei Samsung hängt die Supportdauer stark von der Geräteklasse ab. Neue Galaxy-Flaggschiffe bekommen die längste Pflege, Mittelklasse- und Einstiegsmodelle meist weniger. Ein altes Flaggschiff kann schneller sein als ein neues Budget-Gerät, lebt aus Update-Sicht aber nicht immer länger.
Besonders aufmerksam sollte man bei Modellen aus den Jahren 2021 bis 2023 sein. Galaxy Z Fold3 und Z Flip3 sind bereits nah an der letzten Supportphase: Android-Upgrades sind vorbei, Sicherheitsupdates laufen bis 2026. Auch Galaxy S21 FE, Galaxy S22 und Galaxy A53 5G haben weniger Zeit bis zum Ende der regelmäßigen Pflege.
Galaxy S22 sowie Z Fold4 und Z Flip4 wirken weiterhin modern: gute Displays, starke Chips, ordentliche Kameras. 2026 zählt aber nicht nur der Komfort von heute, sondern auch die Frage, wie lange noch Sicherheitsfixes kommen.
Beim Galaxy S23 ist die Lage besser, weil die Modelle neuer sind. Trotzdem sollte der genaue Plan geprüft werden. Große Android-Versionen und Sicherheitsupdates sind nicht dasselbe: Erstere enden früher, Letztere können länger laufen.
Google hat die Pixel-Politik deutlich verbessert. Pixel 8 und neuere Geräte sind auf sieben Jahre Betriebssystem- und Sicherheitsupdates ab Verkaufsstart ausgelegt. Ältere Modelle haben kürzere Fristen: Pixel 6 und Pixel 7 wurden auf bis zu fünf Jahre erweitert, sind aber teils schon in den letzten Lebenszyklusjahren.
Pixel 6 und Pixel 6 Pro, vorgestellt im Oktober 2021, nähern sich dem Supportende im Oktober 2026. Pixel 6a, Pixel 7 und Pixel 7 Pro haben Zeit bis 2027. Das ist nicht morgen, aber ein Neukauf im Jahr 2026 sollte gut überlegt sein.
Pixel 2, Pixel 3, Pixel 4 und Pixel 5 eignen sich nicht mehr als Hauptgeräte für Banking, Arbeitskonten und persönliche Daten. Als Ersatztelefon, Navi oder Testgerät können sie noch dienen, aber nicht als tägliches Haupt-Smartphone.
Apple unterstützt iPhones traditionell länger als viele Android-Hersteller. Trotzdem spielt das Alter eine Rolle. Laut Berichten nach der WWDC 2026 beginnt die iOS-27-Kompatibilität bei iPhone 11, iPhone 11 Pro, iPhone 11 Pro Max und iPhone SE der zweiten Generation. Dazu kommen die Reihen iPhone 12, 13, 14, 15, 16 und 17.
Für Besitzer alter iPhones ist das eine gute Nachricht. Selbst Modelle von 2019 bleiben im aktuellen iOS-Umfeld. Käufer sollten aber bedenken: iPhone 11 und iPhone SE 2020 sind nach Smartphone-Maßstäben bereits alt. Ihr Zukunftspuffer ist deutlich kleiner als bei iPhone 15, 16 oder 17.
Apple veröffentlicht manchmal Sicherheitsupdates für ältere iOS-Versionen, auch wenn große neue Funktionen ausbleiben. Das ist aber keine Garantie für ein endloses Leben. Je älter das Gerät, desto eher ziehen neue Funktionen, Apps und Dienste vorbei.
Ein weiterer Faktor ist Apple Intelligence. Neue KI-Funktionen laufen nur auf iPhones mit ausreichend starker Hardware. Ein Smartphone kann also eine aktuelle iOS-Version erhalten und trotzdem einige neue Möglichkeiten verpassen.
Das Hauptproblem ist der kurze Nutzungshorizont. Ein günstiges Smartphone ist nur dann ein guter Kauf, wenn es lange genug sicher bleibt. Enden die Updates nach einem Jahr, ist die Ersparnis zweifelhaft.
Dazu kommen praktische Risiken. Ein Gerät ohne Updates ist schlechter gegen neue Angriffe geschützt, kann App-Kompatibilität verlieren und sich langsamer anfühlen, weil neue Software für frischere Chips, mehr Speicher und aktuelle Systeme optimiert wird.
Für einfache Aufgaben kann ein altes Telefon noch lange reichen. Liegen darauf Banking-Apps, Arbeitschats, Firmenmail, Dokumente und private Fotos, wird der fehlende Sicherheitssupport zum echten Nachteil. Als Hauptgerät bleibt es ein Kompromiss.
Panik ist nicht nötig, wenn ein Gerät bald aus dem Support fällt. Aber die Gewohnheiten sollten sich ändern. Alle verfügbaren System- und App-Updates sollten installiert werden, auch wenn keine großen OS-Versionen mehr kommen.
Apps aus zweifelhaften Quellen sollte man meiden. Unter Android gilt das besonders für APK-Dateien von unbekannten Webseiten. Besser sind offizielle Stores, geprüfte Entwickler, Bewertungen und ein Blick auf Berechtigungen.
Öffentliche WLAN-Netze sollten vorsichtig genutzt werden. In Cafés, Flughäfen und Einkaufszentren sind Banking und wichtige Konten besser nur bei Bedarf geöffnet.
Verdächtige Links aus SMS, Messengern und Mail sollten tabu sein. Je älter das System, desto schlechter schützt es vor neuen Angriffsmethoden.
Am Ende hilft Planung. Ein neues Smartphone muss nicht direkt zum Marktstart gekauft werden, aber man sollte nicht warten, bis das alte Gerät komplett aus dem Support gefallen ist.
Vor dem Kauf eines älteren Modells helfen einige Fragen. Wann erschien es? Wie viele Jahre Updates wurden versprochen? Erhält es noch Sicherheitsfixes? Steht es auf der offiziellen Supportliste? Wann endet die Pflege voraussichtlich?
Bei Samsung lohnt sich der offizielle Bereich Mobile Security mit monatlichen, vierteljährlichen und halbjährlichen Listen. Bei Pixel hilft Googles Update-Plan. Beim iPhone zählen die aktuelle iOS-Kompatibilität und Apples Sicherheitsmeldungen.
Wichtig ist auch die genaue Variante. Ähnliche Namen können unterschiedliche Regeln bedeuten: Basisversion, FE-Modell, Foldable und günstige A-Serie können verschiedene Fristen haben.
Rabatte auf alte Smartphones wirken verlockend, besonders wenn neue Modelle teurer werden. Doch der Preis darf nicht das einzige Argument sein. Endet der Software-Support bald, ist das Angebot kein klarer Gewinn, sondern ein Kompromiss mit begrenzter Lebensdauer.
Ein Smartphone ist heute der Schlüssel zu Geld, Nachrichten, Dokumenten, Fotos und Arbeitsdiensten. Sicherheitsupdates sind deshalb genauso wichtig wie Kamera-Megapixel oder Displayhelligkeit.
Vor dem Kauf sollte der Supportzeitraum geprüft werden. Wenn das aktuelle Smartphone schon nah am Lebensende ist, sollte es vorsichtiger genutzt und der Wechsel vorbereitet werden.
© A. Krivonosov