Danny Weber
Der Standort des Routers und die Ausrichtung seiner Antennen beeinflussen Reichweite, Tempo und Funklöcher. Oft hilft schon eine kleine Umstellung.
Kaum jemand liest die Anleitung eines neuen Routers vollständig. Meist werden nur Verbindung, Netzwerkname und Passwort eingerichtet. Hinweise zum Standort und zur Ausrichtung der Antennen bleiben oft unbeachtet.
Das kann sich rächen. Standort und Antennenposition beeinflussen Signalstärke, Reichweite und Funklöcher. Ein Router hinter dem Fernseher, im Schrank oder in einer Ecke arbeitet häufig deutlich schlechter als dasselbe Gerät an einem offenen und zentralen Platz.
Viele verstellbare Außenantennen sind grundsätzlich rundstrahlend, senden aber nicht in jede Richtung gleich stark. Eine typische Stabantenne strahlt am stärksten quer zu ihrer Achse. Steht sie senkrecht, verteilt sich das Signal vor allem horizontal.
Für eine Wohnung oder ein eingeschossiges Haus ist die senkrechte Position deshalb ein guter Ausgangspunkt. Durch Neigen oder Drehen verändert sich die Abstrahlung, was Verbindungen zu einem anderen Stockwerk oder zu anders ausgerichteten Endgeräten verbessern kann. Die Empfehlung gilt vor allem für Router mit beweglichen Außenantennen; interne Antennenfelder und Beamforming können sich anders verhalten.
2,4 GHz bietet meist die größere Reichweite und kommt besser durch Wände, ist aber langsamer und oft stärker belegt. Der Bereich eignet sich für entfernte Räume, Sensoren, Kameras und Smart-Home-Geräte.
5 GHz ermöglicht höhere Datenraten, verliert durch Beton, Metall und Entfernung jedoch schneller an Stärke. 6 GHz bei Wi-Fi 6E und Wi-Fi 7 bietet breite Kanäle und weniger Altlasten, wird durch Hindernisse aber ebenfalls stark gedämpft.
In einer Wohnung oder auf einer Ebene sollten zunächst alle Außenantennen senkrecht stehen. So wird die horizontale Fläche mit Smartphones, Notebooks, Fernsehern und Konsolen meist gleichmäßiger versorgt.
Bei langen Fluren oder einer verwinkelten Raumaufteilung kann eine Antenne leicht geneigt werden. Die Spitzen sollten nicht wie Scheinwerfer direkt auf ein Gerät zeigen, denn die stärkste Zone liegt bei einer Stabantenne seitlich um die Achse.
In einem Haus mit zwei oder drei Etagen kann eine gemischte Anordnung sinnvoll sein. Einige Antennen bleiben senkrecht, andere werden geneigt oder gedreht. Einen universellen Winkel gibt es nicht; entscheidend sind Messungen in den tatsächlich genutzten Räumen.
Ein zentraler, offener und leicht erhöhter Platz ist meist wichtiger als eine kleine Korrektur der Antennen. Der Router sollte nicht auf dem Boden, in einem geschlossenen Schrank, hinter dem Fernseher oder direkt neben großen Metallflächen stehen.
An einer Außenwand geht ein Teil der Funkabdeckung nach draußen oder in Nachbarräume. Schon ein Umzug um wenige Meter in Richtung der wichtigsten Nutzungsbereiche kann spürbar helfen.
Mikrowellen können während des Betriebs Verbindungen im 2,4-GHz-Band beeinträchtigen. Metallische Geräte und Türen reflektieren oder schirmen Funkwellen ab, große Aquarien absorbieren einen Teil des Signals. Auch Betonwände, Spiegel, Bluetooth-Geräte, Babyfone und viele Nachbarnetze können die Stabilität senken.
Geschwindigkeit und Stabilität sollten vor und nach jeder Änderung in mehreren Räumen verglichen werden. Weniger Pufferpausen, stabilere Videoanrufe und kein Wechsel auf Mobilfunk sind gute Zeichen. WLAN-Analyse-Apps helfen zusätzlich bei der Suche nach schwachen Bereichen und überlasteten Kanälen.
Große Häuser und massive Wände erfordern möglicherweise zusätzliche Access Points oder ein Mesh-System. Auch Mesh-Knoten brauchen einen Standort, an dem die Verbindung zum Hauptrouter oder zum nächsten Knoten noch stark ist.
Auf einer Ebene sind senkrechte Antennen ein guter Start, über mehrere Stockwerke lohnt sich eine gemischte Anordnung. Der Router sollte zentral, offen und fern von großen Hindernissen stehen. Wenige Minuten Ausprobieren bringen oft mehr als ein Tarifwechsel oder der sofortige Kauf neuer Hardware.
© A. Krivonosov