Quantencomputer gefährden moderne Verschlüsselung bis 2029

In der Cybersicherheitsbranche wachsen die Sorgen über die rasante Entwicklung von Quantencomputern. Diese könnten in den kommenden Jahren fast alle modernen Verschlüsselungsmethoden gefährden, wie Filippo Valsorda warnt. Er ist der Maintainer der kryptografischen Bibliothek der Programmiersprache Go und ehemaliger Leiter des Go-Sicherheitsteams bei Google.

Frühere Zeitschätzungen seien zu optimistisch gewesen, merkt er an. Während man früher dachte, der Übergang zur Post-Quanten-Kryptografie könnte bis Mitte der 2030er Jahre abgeschlossen sein, steht die Branche nun vor einer Frist bis 2029. Das lässt wenig Zeit für einen allmählichen Wechsel.

Valsorda betont, dass aktuelle Algorithmen, einschließlich weit verbreiteter elliptischer Kurvenkryptografie, bereits als potenziell unsicher gelten sollten. Er lehnt auch hybride Lösungen ab, die alte und neue Methoden mischen, da er sie als vorübergehende Krücken sieht, die den vollständigen Umstieg auf Quanten-resistente Schutzmaßnahmen nur verzögern.

Die größte Herausforderung liegt darin, dass Post-Quanten-Algorithmen deutlich mehr Ressourcen benötigen. So können Schlüssel- und Signaturgrößen um das Zehnfache oder mehr ansteigen, was Verbindungsgeschwindigkeiten und Infrastrukturlast beeinträchtigt. Dies ist besonders kritisch für ressourcenbeschränkte Systeme wie IoT-Geräte.

Das Problem betrifft fast jeden Aspekt der digitalen Sicherheit, von HTTPS-Zertifikaten und E-Mail bis hin zu Blockchain und sicherem Computing. Spezifische Technologien, einschließlich der vertrauenswürdigen Ausführungsumgebungen von Intel und AMD, könnten vollständig anfällig für Quantenangriffe werden.

Experten sind sich einig, dass die Welt einen schnellen, großflächigen Wechsel zu neuen Verschlüsselungsstandards vollziehen muss. Andernfalls könnten innerhalb weniger Jahre heute gespeicherte verschlüsselte Daten in Zukunft entschlüsselt werden.