Xiaomi setzt auf eigene Chips: 28 Mrd. $ für XRING-Serie

Xiaomi investiert 28 Mrd. $ in eigene Chips und XRING-Serie
© A. Krivonosov

Xiaomi forciert seine hauseigenen Chip-Aktivitäten und will sie in ein umfangreiches Investitionsprogramm einbetten. Wie jüngste Berichte zeigen, wird das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich rund 200 Milliarden Yuan (etwa 28 Milliarden US-Dollar) für Forschung und Entwicklung ausgeben. Die Mittel fließen nicht ausschließlich in Prozessoren, doch die XRING-Serie soll zum Eckpfeiler von Xiaomis Streben nach technologischer Unabhängigkeit werden.

Erstes konkretes Zeichen dieser Ambitionen war der XRING 01. Mit einer Million ausgelieferter Einheiten ist das Volumen im Vergleich zu Qualcomm und MediaTek noch bescheiden – für Xiaomi ist es jedoch ein Startpunkt, kein Endziel. In den letzten fünf Jahren hat Xiaomi bereits 105,5 Milliarden Yuan (14,77 Milliarden US-Dollar) in Autos, Chips, große Sprachmodelle, Haushaltsgeräte und andere Bereiche gesteckt. Diese Investitionen haben dem Unternehmen Berichten zufolge zu einem Umsatz von über 64 Milliarden US-Dollar verholfen.

Der nächste große Schritt dürfte der XRING 03 sein. Konzernchef Lu Weibing bestätigte, dass noch in diesem Jahr eine neue Generation des hauseigenen Chips debütieren wird. Allerdings, so geht aus Gerüchten hervor, wird Xiaomi nicht direkt zu TSMCs hochmoderner 2-nm-Knoten springen, sondern setzt auf den ausgereifteren 3nm-N3P-Prozess. Das mag nach einem Hinterherhinken klingen, für Xiaomi ist es jedoch eine pragmatische Entscheidung: In dieser frühen Phase sind Kostenkontrolle, Ausbeutestabilität und Volumen wichtiger als der teuerste Prozess.

Der XRING 03 wird voraussichtlich auf Standard-ARM-CPU- und GPU-Designs setzen, anstatt auf komplett eigene Kerne. Das ist als Übergangsschritt sinnvoll: Eigene Kerne auf dem Niveau von Qualcomms Oryon zu entwickeln, erfordert enorme Investitionen, Know-how und Zeit. Xiaomi kann zunächst die Architektur, Fertigung, Treiber und Smartphone-Optimierung seiner SoCs verbessern, bevor es zu einer tieferen Individualisierung übergeht.

Xiaomis Kernstrategie ist nicht, Qualcomm oder MediaTek sofort zu überholen, sondern die Abhängigkeit von externen Zulieferern schrittweise zu reduzieren. Wenn Xiaomi die XRING-Reihe über mehrere Generationen hinweg weiterentwickelt, könnten seine eigenen Chips dereinst ein breites Ökosystem aus Smartphones, Tablets, Autos, Smart-Home-Geräten und KI-Diensten antreiben.

Für die Branche ist das ein deutliches Signal. Xiaomi hat sich längst vom Image des Billig-Smartphone-Herstellers verabschiedet und wandelt sich zunehmend zu einem Technologiekonzern mit eigener Hardware, Software und Infrastruktur. Die Investitionszusage von 28 Milliarden US-Dollar unterstreicht: Der XRING-Vorstoß ist kein bloßes Prestigeprojekt – es ist der langfristige Versuch, zu den Unternehmen zu gehören, die ihre eigenen kritischen Komponenten kontrollieren.