Muse HiFi präsentiert mit dem Muse 300 ein ungewöhnliches Desktop-Audio-Gerät. Der Hersteller nennt es den weltweit ersten Desktop-DAC/AMP mit eigenem Betriebssystem – entwickelt speziell für DACs und Kopfhörerverstärker. Ziel ist es, die oft trägen und überladenen Interfaces dieser Geräte hinter sich zu lassen und die Musiksteuerung flotter und direkter zu gestalten.
Muse HiFi zufolge hat sich der HiFi-Markt verändert: Streaming-Dienste sind enorm bequem geworden, und die Qualität des Streamings reicht mittlerweile für die meisten Hörer aus – auch wenn sie nicht immer mit lokalen DSD-Dateien mithalten kann. Der Hersteller sieht daher Chancen in Geräten, die reibungsloser mit Streaming-Diensten harmonieren und den Nutzer nicht zwingen, verschiedene Trackversionen manuell herunterzuladen. Der Muse 300 soll genau diese Schaltzentrale für ein Desktop-Audiosystem sein, die zwischen Computer, Smartphone, Kopfhörern und Lautsprechern vermittelt.
Die größte technische Hürde: Muse HiFi verzichtete auf eine standardmäßige Android-Basis. Stattdessen setzt das System auf eine Mikrocontroller-Plattform, bei der ein Großteil des Codes neu geschrieben werden musste. Der Muse 300 und das Schwestermodell U7 nutzen über 150 MCU-Schnittstellen und etwa 150 Zustandsvariablen – ein logischer Fehler könnte daher zu seltenen, schwer zu findenden Störungen führen. Die Entwickler verließen sich deshalb auf eine strenge Architektur, Lookup-Tabellen und Festkomma-Arithmetik statt auf aufwändigere Berechnungen.
Der Muse 300 hat ein 5-Zoll-IPS-Display mit 480x854 Pixeln. Der Bildschirm ist nicht nur für Einstellungen da – der Hersteller macht ihn zum Teil der Bedienungserfahrung. Drei Oberflächenthemen stehen zur Wahl: Cyberpunk mit Neon-Optik, Minimalistic für einen aufgeräumten Desktop und ACG Style mit heller Anime-Ästhetik. Der Bildschirm kann zudem als Zweitmonitor für einen PC genutzt werden.
Hardwaretechnisch ist der Muse 300 ein echter Desktop-Audio-Kraftprotz. Im Inneren arbeiten ein SA9137L-USB-Controller, ein QCC3095-Bluetooth-Chip, ein AK4118-Koaxial-Interface, ein ES9039-Ultra-DAC, ES9603X2-I/U-Wandler, OPA1612-Filter, TP6120A-Verstärker und NE5532A-Operationsverstärker. Als Eingänge stehen USB, Koaxial, optisch und Bluetooth zur Verfügung, die Ausgänge sind RCA, XLR sowie 6,35-mm- und 4,4-mm-Klinkenbuchsen.
Preis und genauen Veröffentlichungstermin des Muse 300 hat Muse HiFi noch nicht genannt. Dennoch ist das Konzept ein bemerkenswerter Versuch, den Desktop-DAC/AMP neu zu denken. Statt der üblichen Kiste mit Lautstärkeknopf bietet das Unternehmen ein Gerät mit vollwertiger visueller Oberfläche, anpassbaren Designs und eigenem Betriebssystem – mit dem Ziel, HiFi-Audio einem breiteren Publikum zugänglicher zu machen.