Erstmals übersteigt Bot-Traffic den menschlichen Internetverkehr

Bots überholen Menschen im Online-Verkehr: Cloudflare meldet Wendepunkt
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Erstmals in der Internetgeschichte haben Bots den Menschen im Online-Verkehr überholt. Cloudflare-Mitgründer und CEO Matthew Prince teilte dies mit und räumte ein, dass der Wendepunkt früher eingetreten sei als erwartet. Er hatte ursprünglich damit gerechnet, dass automatisierter Traffic den menschlichen erst 2027 überholen würde, doch nun sei das Internet bereits eindeutig jenseits dieser Schwelle angekommen.

Dies beschränkt sich nicht auf herkömmliche Such-Crawler, Indexer oder schädliche Bots. Cloudflare meldet einen starken Anstieg dessen, was als „Agenten-Traffic“ bezeichnet wird – Systeme, die im Auftrag der Nutzer handeln. Diese Agenten scannen Produktseiten, vergleichen Preise, suchen nach Flugtickets, führen mehrstufige Aufgaben aus, sammeln Daten für KI-Modelle, helfen bei Essensbestellungen, interagieren mit dem Kundenservice und übernehmen zunehmend Aufgaben, die früher von Menschen erledigt wurden.

Laut Cloudflare-Daten generieren Bots inzwischen rund 57,5 Prozent aller HTTP-Anfragen, der menschliche Anteil liegt bei etwa 42,5 Prozent. Das Unternehmen betont jedoch: Dies bezieht sich auf Seitenaufrufe, nicht auf die online verbrachte Zeit. Menschen dominieren weiterhin die Nutzung von Apps, Streaming, sozialen Netzwerken und Endlos-Feeds – aber automatisierte Agenten erzeugen weitaus mehr schnelle Seitenaufrufe.

Prince stellt fest, dass die Daten etwas ungenau seien, weshalb sich der genaue Zeitpunkt der Überschreitung nur schwer bestimmen lasse. Die Richtung sei jedoch klar: Das Internet ist nicht mehr ein Ort, den nur Menschen besuchen. Ein wachsender Anteil der Webaktivität besteht aus Programmen, die Inhalte für Nutzer, Unternehmen oder KI-Systeme scannen und verarbeiten.

Cloudflare hebt auch länderspezifische Unterschiede hervor. Gibraltar verzeichnete mit 92,1 Prozent den höchsten Bot-Traffic-Anteil, gefolgt von Singapur und dem Iran mit etwa 76,4 Prozent. Dies sei teilweise auf eine hohe Dichte an Rechenzentren und Hosting-Infrastruktur im Verhältnis zur Bevölkerungszahl zurückzuführen; im Iran hänge es mit der weit verbreiteten Nutzung von VPNs, automatisierten Umgehungen und Scraping zusammen.

Der Anstieg des Agenten-Traffics verändert die Internetwirtschaft grundlegend. Websites waren früher auf Menschen optimiert, die klicken, lesen und kaufen. Jetzt müssen sie zunehmend auf KI-Agenten ausgerichtet sein, die nach Informationen, Preisen und Aktionen suchen. Das zwingt Websitebetreiber zu neuen Fragen: Wie lassen sich hilfreiche von schädlichen Agenten unterscheiden? Wie schützt man Inhalte? Und wie kann man in einer Welt Geld verdienen, in der immer mehr Anfragen von digitalen Stellvertretern und nicht von Menschen kommen?