Der Speichermangel, der zunächst HBM und DDR5 getroffen hat, ist nun auch bei DDR4 und DDR3 angekommen. Laut DigiTimes könnten die Preise für 8-Gigabit-DDR4-Chips im dritten Quartal 2026 gegenüber dem zweiten Quartal um mehr als 50% steigen. Analysten hatten zuvor nur mit 10–20% gerechnet, doch die Lage am Markt ist deutlich angespannter.
Der Hauptgrund ist eine Verlagerung der Produktionskapazitäten. Samsung, SK Hynix und Micron konzentrieren sich immer stärker auf margenstärkere Produkte: HBM für KI-Server und Nvidia-Beschleuniger, DDR5 für Unternehmenssysteme und LPDDR5X für Flaggschiff-Smartphones. Vor diesem Hintergrund hat DDR4 an Priorität verloren, obwohl die Nachfrage keineswegs verschwunden ist.
Im Gegenteil: der Bedarf an älterem Speicher wächst. Viele Rechenzentren nutzen weiterhin Server früherer Generationen mit DDR4, während Enterprise-SSDs immer häufiger DRAM-Cache erhalten, um Tempo und Haltbarkeit zu verbessern. Ein großer Teil der DDR4- und DDR3-Produktion liegt inzwischen bei den taiwanischen Herstellern Nanya und Winbond, doch deren Mengen reichen nicht mehr aus. Die verbleibenden Lieferungen von Samsung sind Berichten zufolge größtenteils langfristigen Partnern vorbehalten.
Der Markt ist an einem ungewöhnlichen Punkt angekommen: Anfang Juli kostete DDR3 mit 4 GB rund 3,19 US-Dollar pro Gigabyte, während DDR5 mit 16 GB bei etwa 2,94 US-Dollar pro Gigabyte lag. Anders gesagt: veralteter Speicher ist pro Kapazitätseinheit teurer geworden als der modernere Standard. Das ist ein klares Zeichen für eine starke Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage.
Die Preissteigerungen betreffen nicht nur PC-Komponenten. DDR4 steckt weiterhin in vielen günstigen und mittelklassigen Computern, Workstations und Servern, während LPDDR4 und LPDDR4X noch in einigen preiswerten Smartphones genutzt werden. Micron hat die Massenproduktion von DDR4 und LPDDR4 in seinem Werk in Virginia kürzlich wieder aufgenommen, doch das dürfte den Engpass kaum schnell schließen. Branchenkreise gehen davon aus, dass die erhöhten Preise für DDR5, DDR4 und DDR3 bis 2028 anhalten könnten.