Große Speicherhersteller könnten ihre DRAM-Lieferungen an unabhängige Modulproduzenten im Jahr 2027 um mehr als 70 % gegenüber 2026 kürzen. Diese Prognose stellte Apacer-Chef C.K. Chang nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen des taiwanischen Unternehmens vor. Seiner Einschätzung nach wird die Knappheit mindestens bis Mitte des kommenden Jahres anhalten.
Das bedeutet nicht, dass die weltweite RAM-Produktion um 70 % einbricht. Gemeint ist die DRAM-Menge, die Samsung, SK Hynix, Micron und andere Anbieter unabhängigen Unternehmen wie Apacer für die Fertigung von DIMM-Modulen zuteilen. NAND Flash für SSDs kaufen diese Firmen separat. Ein wachsender Teil der Kapazitäten fließt in profitablere HBM- und Server-DRAM-Produkte für KI-Infrastrukturen. Auch SK Hynix warnte, 2027 könne mit Blick auf die Verfügbarkeit zum schwierigsten Jahr in der Geschichte der Speicherbranche werden.
Chang zufolge hängen bereits rund 60 % der DRAM-Produktion mit Serveranwendungen zusammen. Besonders schnell verteuern sich DDR5-RDIMM-Servermodule, während PC- und Smartphone-Hersteller um ein schrumpfendes Angebot an herkömmlichem DDR4 und DDR5 konkurrieren. Für Modulproduzenten ist damit nicht mehr der Preis das größte Problem, sondern die Frage, ob sie überhaupt die benötigte Menge bekommen.
Apacer bereitet sich mit höheren Lagerbeständen auf eine weitere Verschärfung vor. Deren Wert erreichte Ende Juni 12,4 Milliarden neue Taiwan-Dollar, nach 8,38 Milliarden im Vorquartal. Das entspricht einem Plus von rund 48 %. Zudem nimmt das Unternehmen langfristige Finanzierungen auf, um bei frei werdenden Mengen schnell einkaufen zu können.
Chang erwartet, dass die Vertragspreise für DRAM im dritten Quartal um etwa 30 % und für NAND um mehr als 20 % steigen. Danach könnte sich das Tempo der Preissteigerungen verlangsamen. Ein Ende des Mangels wäre das jedoch nicht: Die Nachfrage nach Serverspeicher und Enterprise-SSDs wächst zusammen mit den Investitionen in KI-Rechenzentren weiter.