Wie der KI-Bauboom den DRAM-Markt verknappt – und Elektronik 10–20% verteuert
Die KI-getriebene Nachfrage nach DRAM lässt Speicher knapp und teuer werden: 10–20% höhere Preise für Smartphones, Computer und Elektronik – spürbar im Handel.
Die KI-getriebene Nachfrage nach DRAM lässt Speicher knapp und teuer werden: 10–20% höhere Preise für Smartphones, Computer und Elektronik – spürbar im Handel.
© A. Krivonosov
Der Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz trifft inzwischen den Alltag der Käuferinnen und Käufer – an der Kasse. Wie die Financial Times berichtet, treibt die sprunghaft steigende Nachfrage nach Speichermodulen für Rechenzentren die Chippreise bereits deutlich nach oben. Analysten warnen, dass in den kommenden zwölf Monaten die Preisschilder für Smartphones, Computer und Unterhaltungselektronik um 10–20% klettern könnten.
Große Hersteller schlagen bereits Alarm. Dell, Lenovo, Raspberry Pi und Xiaomi räumen ein, dass der Engpass bei Speicherbausteinen die Produktionskosten aufbläht und kaum Spielraum lässt, Preisanhebungen zu vermeiden. Dells COO Jeff Clarke erklärte, ein so schneller Kostenanstieg sei dem Unternehmen noch nicht untergekommen; am Ende werde die Last bei den Verbrauchern landen. Raspberry Pi erhöhte schon im Dezember die Preise und bezeichnete die Lage als schmerzhaft, während Lenovo frühzeitig Komponenten auf Vorrat kaufte, um die Auswirkungen abzufedern. Für Käufer bedeutet das: KI ist nicht länger ein fernes Rechenzentrums-Thema, sondern wirkt sich im Regalpreis aus.
Ursache ist der Bauboom rund um KI-Rechenzentren. Speicherhersteller priorisieren margenträchtige Aufträge und drängen damit die Unterhaltungselektronik in einen DRAM-Mangel. Das wiederum löst Hamsterkäufe aus, weil Unternehmen vorab einkaufen – ein Mechanismus, der die Preise zusätzlich treibt. Analysten zeichnen das Bild eines überhitzten, ungeordneten Marktes; TrendForce erwartet bis Ende 2025 vierteljährliche Anstiege der DRAM-Preise um 50–55%. Die Botschaft ist eindeutig: Das Angebot kommt dem Appetit nicht hinterher.
Samsung und SK Hynix, gemeinsam für rund 70% des weltweiten DRAM-Markts verantwortlich, haben bereits signalisiert, dass ihre Kapazitäten für 2026 ausgebucht sind. Samsung soll Preise für bestimmte Chips um bis zu 60% angehoben haben; Führungskräfte räumen ein, dass die KI-getriebene Nachfrage das Liefervermögen der Branche deutlich übersteigt. Cloud-Schwergewichte wie Amazon und Google verstärken den Druck mit langfristigen Verträgen – Hersteller von Konsumentengeräten sitzen dadurch mit wenig Verhandlungsmacht am Tisch.
Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Finanzexperten schätzen, dass US-Techkonzerne 2026 rund 620 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur stecken werden; bis 2028 könnten die weltweiten Investitionen auf knapp 3 Billionen Dollar zulaufen. Citi und Nomura rechnen damit, dass der Speichermangel mindestens bis 2027 anhält, wobei 2026 noch aggressiveres Horten von Chips wahrscheinlich ist. Selbst Erweiterungen bei Samsung und SK Hynix brauchen Zeit: Neue Werke benötigen in der Regel zwei bis drei Jahre, bis sie anlaufen. Bis dahin stehen Hersteller vor der Wahl zwischen höheren Preisen und dünneren Margen – und Haushalte müssen sich wohl auf Preisschocks einstellen.