Audi gegen Bildschirm-Trend: Designchef fordert mehr Haptik im Innenraum

Audi-Designchef Massimo Frascella übt scharfe Kritik am aktuellen Trend, großflächige Bildschirme im Fahrzeuginnenraum zu verbauen. Für ihn ist das reine „Technologie um der Technologie willen“. Seiner Ansicht nach macht der weit verbreitete Verzicht auf physische Knöpfe zugunsten von Touchscreen-Displays Autos nicht praktischer. Es erweckt lediglich den Eindruck von Fortschritt, während Hersteller so Kosten für Materialien und Bauteile sparen können.

Große zentrale Displays sind heute nicht nur in China, sondern auch bei neuen Modellen für den europäischen Markt zum Standard geworden. Nahezu alles – von der Klimaanlage und den Sitzen bis hin zu Fahrassistenten – wird über das Multimediasystem gesteuert. Audi, Teil des Volkswagen-Konzerns, hat sich jedoch entschieden, gegen diesen Trend anzugehen. Frascella ist überzeugt, dass die Marke die Stärken ihrer Vergangenheit zurückgewinnen muss: hochwertige Materialien, angenehme Haptik und das charakteristische „Klicken“ der Bedienelemente, das Fans seit jeher schätzen.

In einem Interview mit Top Gear betonte er, dass große Bildschirme allein nicht die beste Nutzererfahrung bieten. Für Audi besteht die Herausforderung nicht darin, Technologie abzulehnen, sondern sie bedacht und auf Premium-Niveau einzusetzen. Digitale Lösungen sollen dabei durch mechanische Elemente und Metall ergänzt werden, um ein Gefühl von Präzision zu erzeugen. Diese Kombination aus Haptik, visueller Qualität und durchdachter Ergonomie sollte Luxus definieren.

Der Audi Concept C verkörpert diesen Ansatz. Er verfügt über einen verhältnismäßig kompakten 10,4-Zoll-Bildschirm, der bei Bedarf ins Instrumentenpanel eingefahren werden kann. Frascella äußert offen den Wunsch, sich von der „Bildschirmabhängigkeit“ und der Dominanz glänzenden schwarzen Kunststoffs zu lösen, um den Charakter und die Individualität von Audi-Innenräumen wiederherzustellen.

In der Branche gehen die Meinungen auseinander. Bei Mercedes-Benz etwa gelten große Bildschirme als unvermeidlich, da Nutzer direkt in ihren Autos Videos schauen möchten. Der Designchef der Marke, Gorden Wagener, bezeichnete den Concept C sogar als zu traditionell. Laut Berichten westlicher Medien wird die Serienversion des Concept C für 2027 erwartet und markiert damit ein neues Kapitel für Audi. Modelle wie der kommende Q7 und der zukünftige Q9 werden vorerst die aktuelle Designphilosophie beibehalten.